Funnel Economics

Forecast-Methoden im Vertrieb: Zwei Fragen, zwei Fenster

Aktualisiert: Lesezeit: ca. 17 Min.

Online-Fassung: https://funneleconomics.ai/de/resources/whitepapers/build-vs-perform

Ein Vertriebs-Forecast beantwortet zwei Fragen in zwei Fenstern. PERFORM, der Rückblick, fragt, was eine abgelaufene Strecke gebracht hat. BUILD, der Blick auf den Bestand, fragt, was der heutige Bestand erwarten lässt. Wer beide Fragen mit derselben Zahl beantwortet, vergleicht Größen, die nicht zusammengehören. Unter den Forecast-Methoden im Vertrieb ist diese Trennung der erste Schritt: Jede Prognose bekommt das Fenster, in dem ihre Antwort steht. Eine Abweichung lässt sich so früher bemerken.

Eine Zahl soll im Forecast zwei Fragen beantworten

In vielen Forecast-Runden liegt eine Zahl auf dem Tisch, und sie soll zwei Fragen zugleich beantworten. Die erste Frage lautet, was eine abgelaufene Strecke gebracht hat. Die zweite Frage lautet, was der heutige Bestand an offenen Deals erwarten lässt. Beide Fragen sind berechtigt. Jede braucht aber eine eigene Zahl aus einem eigenen Fenster.

Die vier Rollen am Tisch stellen die zwei Fragen in verschiedener Mischung. Die Geschäftsführung mit ihrem Blick auf den Umsatz-Forecast will wissen, ob die Pipeline das Ziel trägt. Der CFO, der mit dem Forecast plant, will wissen, wie frühere Prognosen zum Ergebnis standen.

Der CRO, der den Forecast verantwortet, muss beide Antworten vertreten. Die Vertriebsleitung, die die Arbeit des Teams steuert, braucht die Antwort früh genug, um noch etwas zu ändern.

Am Ende liest ein Aufsichtsrat oder Beirat die Zahl in einem Bericht. Wer dort liest, kennt die Herkunft der Zahl nicht. Der Bericht muss deshalb sagen, welche Frage die Zahl beantwortet.

Im Alltag zeigt sich das Problem an drei Beobachtungen:

  • Dieselbe Zahl steht im Rückblick auf das Quartal und im Ausblick auf das nächste.
  • Eine Prognose aus der offenen Pipeline wird neben ein Umsatzziel gestellt, als wären beide dieselbe Größe.
  • Wie frühere Prognosen zum Ergebnis standen, weiß in der Runde niemand aus dem Kopf.

Viele Übersichten zu Forecast-Methoden vergleichen Rechenverfahren. Dieses Whitepaper setzt einen Schritt davor an. Bevor ein Verfahren gewählt wird, steht fest, welche Frage gestellt ist und in welchem Fenster ihre Antwort steht.

Funnel Economics führt dafür zwei Modellklassen: PERFORM und BUILD. Beide Klassen liefern auf dieselbe Frage eine Zahl. Nur eine von beiden beantwortet die Frage.

Das Risiko ist unauffällig. Wer das falsche Fenster trifft, bekommt keine Fehlermeldung. Wer das falsche Fenster trifft, bekommt eine plausible Zahl: einen Rückblick, wo eine Prognose gefragt war.

Jede Prognose hat zwei Fenster

Jede Periode eines Forecast-Modells hat zwei Fenster: das Fenster, in dem gearbeitet wird, und das Fenster, in dem geschlossen wird. Funnel Economics nennt das erste das Aktivitätsfenster und das zweite das Wirkungsfenster. Wie die zwei Fenster zueinander stehen, beschreibt die Modellklasse und damit die Frage, die eine Zahl beantwortet.

Wo gearbeitet wird und wo geschlossen wird

Im Aktivitätsfenster geschieht die Arbeit: Deals entstehen, rücken in die nächste Stage vor, also in die nächste Stufe des Vertriebsprozesses, oder werden verschoben. Im Wirkungsfenster stehen die Abschlüsse. Eine Zahl ohne ihr Wirkungsfenster ist deshalb unvollständig. Niemand kann sagen, wann ihr Ergebnis feststeht.

Bei PERFORM sind beide Fenster in der Grundform gleich lang und liegen übereinander. Eine PERFORM-Periode ist eine abgelaufene Strecke: die Pipeline, die zu ihrem Start bestand, und das, was in derselben Strecke geschlossen wurde.

Bei BUILD liegen die Fenster hintereinander. Eine BUILD-Periode ist ein Abschnitt des Aufbaus und seine Ernte in den Perioden danach. Das Aktivitätsfenster ist der laufende Abschnitt, das Wirkungsfenster folgt darauf.

Aus der Lage der Fenster folgt, mit welchem Bestand gerechnet wird. PERFORM rechnet mit dem Bestand zum Start der Periode, denn dieser Bestand ist der Ausgangspunkt der Strecke. BUILD rechnet mit dem Bestand zum Ende der Periode, denn dieser Bestand wird in die Zukunft übergeben.

Die Länge des Fensters entscheidet nicht über die Frage

Die Länge eines Fensters sagt nichts über die Modellklasse. „Die nächsten vier Quartale“ nennt ein Wirkungsfenster. Ein PERFORM-Modell und ein BUILD-Modell können dieselbe Länge des Wirkungsfensters tragen.

Der Sales Cycle einer Geschäftsart, die durchschnittliche Dauer eines gewonnenen Deals von der Entstehung bis zum Abschluss, bestimmt die Länge des Fensters, nicht seine Klasse. Ein langer Sales Cycle verlangt ein langes Wirkungsfenster. Ob die Frage zurück oder nach vorn blickt, ist damit nicht gesagt.

Welche Fenster eine Organisation führt, ist ihre eigene Konfiguration. Jede Organisation schneidet die Fenster anders: andere Zahl, andere Namen, andere Dauer. Einen festen zeitlichen Abstand zwischen den zwei Fenstern gibt es deshalb nicht.

Ein kürzeres Wirkungsfenster ist kein Rechenfehler. Ein kürzeres Fenster beantwortet eine andere Frage, und zwar die häufigste im Vertrieb: wie die laufende Periode steht und wie sich die nächste entwickelt.

Ein Fenster, das vom Sales Cycle abweicht, verändert allerdings die Bedeutung jeder Zahl darauf. In einem zu kurzen Fenster fehlen Abschlüsse, die später kommen. Diese Abweichung gehört neben die Zahl, nicht in eine Fußnote.

Die Blickrichtung der Frage entscheidet

Die Auswahlregel steht vor jeder Rechnung. Fragt jemand, was künftig schließt, ist das eine BUILD-Frage. Fragt jemand, was eine Strecke gebracht hat, ist das eine PERFORM-Frage.

Ein Beispiel für eine BUILD-Frage: Was ist der Funnel aus heutiger Sicht für die kommenden Quartale wert? Ein Beispiel für eine PERFORM-Frage: Was haben die abgelaufenen Quartale gebracht?

Ist die Blickrichtung in der Frage nicht genannt, wird nachgefragt und nicht geraten.

Die Länge eines Fensters sagt nichts über die Frage. Entscheidend ist die Blickrichtung: zurück auf eine abgelaufene Strecke oder nach vorn aus dem heutigen Bestand.

Was misst PERFORM, der Rückblick?

PERFORM misst, was eine abgelaufene Strecke gebracht hat. Am Anfang der Strecke steht ein Bestand an offenen Deals. Am Ende steht fest, was aus diesem Bestand und in dieser Strecke gewonnen wurde. PERFORM stellt beides nebeneinander: die Erwartung zum Start und das Ergebnis am Ende.

Der Abschluss ist bei PERFORM die Messgröße. Gewonnen und verloren sind Tatsachen, sobald die Strecke abgelaufen ist.

Die Erwartung zum Start ist ein gerechneter Wert. Der bEFV, der strukturelle Erwartungswert des Funnels, bewertet den Betrag jeder offenen Opportunity mit einer historischen Rate, der Win Rate je Stage. Der rEFV, die risikogewichtete Erwartung, gewichtet den bEFV zusätzlich nach der SLA Health mit gemessenen Faktoren je Band.

Die Kennzahl des Rückblicks ist die EFV Ratio. Die EFV Ratio, der Abgleich von gewonnenem Umsatz und rEFV, vergleicht den tatsächlich gewonnenen Umsatz mit dem rEFV zum Periodenstart.

Die EFV Ratio sagt, wie gut die Prognose für die Pipeline kalibriert war, deren Wirkungsfenster abgelaufen ist. Sie sagt nichts über die Zielerreichung; sie kann neben einem verfehlten Plan stehen.

Ein einzelner Wert der EFV Ratio beschreibt eine Strecke. Lesbar wird die Kennzahl als Reihe über mehrere abgelaufene Strecken, mit der Zahl der Fälle daneben.

Aus dem Rückblick stammt auch der Maßstab für den Blick nach vorn. Die Win Rates je Stage stammen aus abgelaufenen Fenstern und werden auf den heutigen Bestand angewandt.

Die Win Rate über alle entschiedenen Deals, der Anteil der gewonnenen an den entschiedenen Deals, ist eine eigene Kennzahl mit einer eigenen Grundgesamtheit. Die historischen Raten sind die Win Rate je Stage, nicht die Win Rate über alle entschiedenen Deals.

Was PERFORM nicht kann, folgt aus der Definition. Ein PERFORM-Fenster ist eine abgelaufene Strecke. Ein Abschlussdatum in einem künftigen Quartal kann ein PERFORM-Fenster nicht tragen.

Wer einem PERFORM-Fenster die Frage nach der Zukunft stellt, bekommt deshalb eine leere oder eine rückblickende Antwort. Beide sehen aus wie ein Befund über das Geschäft. Beide sind ein Befund über die Frage.

Was misst BUILD, der Blick auf den Bestand?

BUILD misst, was der heutige Bestand für künftige Fenster erwarten lässt. Gezählt wird, was am Ende des laufenden Abschnitts im Funnel steht. Dieser Bestand wird in die Zukunft übergeben. Ein Ergebnis trägt ein BUILD-Fenster nicht in sich. Die Abschlüsse liegen im Wirkungsfenster danach.

BUILD ist ein Fortschrittsmodell, kein Schnappschuss

Ein BUILD-Modell ist kein Schnappschuss. Ein BUILD-Modell ist ein Fortschrittsmodell. Es misst Aktivität, neu entstandene Deals und den Fortschritt in den Stages während des Aktivitätsfensters.

Dahinter steht eine Führungsaufgabe. Die schwierigste Aufgabe im Umgang mit einer Vertriebsorganisation ist, sie in diesem Quartal etwas für eine künftige Periode tun zu lassen. Genau diese Arbeit misst ein BUILD-Modell.

Sichtbar wird in einem BUILD-Fenster die Bewegung des Bestands. Neue Deals kommen hinzu. Deals rücken in eine spätere Stage vor. Deals werden auf ein späteres Datum geschoben.

Ein geschobener Deal ist verschoben, nicht entschieden. Ein Abschnitt kann gut aussehen, weil viel vorrückt, und zugleich viel nach hinten schieben. Beide Bewegungen gehören nebeneinander.

Der Fortschritt im Aktivitätsfenster ist eine Steuerungsgröße. Der Fortschritt zeigt, was getan wurde. Eine Aussage über den späteren Abschluss leitet dieses Whitepaper daraus nicht ab. Prognose und Ist stehen nebeneinander, ohne behauptete Ursache zwischen beiden.

Der Begriff für die Qualität des Bestands

Der Begriff der Methode für den Blick auf den Bestand ist die EFV Density. Die EFV Density, das Maß für die Qualität der offenen Pipeline, setzt den rEFV am Periodenende ins Verhältnis zum gesamten Pipeline-Volumen am Periodenende. Kein Werkzeug gibt die EFV Density aus.

Funnel Economics nennt diesen Blick die Dimension der Qualität. Die Methode ordnet die EFV Density einem BUILD-Modell zu, weil dort der heutige Bestand steht.

Gelesen werden das Pipeline-Volumen und der rEFV in Beträgen, als Entwicklung über mehrere Perioden.

Warum beide Dimensionen zusammen gelesen werden

Der Rückblick der EFV Ratio und die Qualität des Bestands sind zwei Dimensionen, und die eine kann die andere verdecken. Eine Organisation kann im Rückblick mehr gewinnen als erwartet, während die Qualität des heutigen Bestands fällt. Der kurzfristige Erfolg überdeckt dann eine Entwicklung im Bestand.

Wer nur die Zahl des Rückblicks führt, sieht den heutigen Bestand nicht. Wer das Pipeline-Volumen und den rEFV des Bestands daneben führt, sieht beide Dimensionen nebeneinander. Ob eine fallende Qualität später im Ergebnis ankommt, zeigt erst das Ist des abgelaufenen Fensters.

Ein BUILD-Fenster ist kein Schnappschuss. BUILD misst, was im Aufbau für eine spätere Strecke getan wurde: neue Deals, Fortschritt in den Stages, verschobene Termine.

Jede BUILD-Prognose hat ein Fenster, in dem ihre Antwort steht

BUILD und PERFORM sind kein getrenntes Paar von Welten. Beide Klassen sehen dieselben Deals zweimal. BUILD blickt nach vorn auf einen Bestand. PERFORM blickt auf die Strecke, in der genau dieser Bestand geschlossen hat. Zu jeder BUILD-Periode gehört deshalb eine PERFORM-Periode, in der ihre Antwort steht.

Die Verbindung ist einfach zu beschreiben. Der Bestand, den ein BUILD-Fenster an seinem Ende zeigt, ist der Bestand, mit dem das zugehörige PERFORM-Fenster beginnt.

Daraus folgt eine Pflicht. Ist das Wirkungsfenster einer BUILD-Periode abgelaufen, ist ihr Ist bekannt. Eine Reihe von Prognosen stellt das Ist dann daneben, als Betrag und als Verhältnis von Prognose zu Ist.

Eine Prognose, die nie gegen ihr Ergebnis gehalten wurde, ist eine Konstruktion und keine Messung.

Nicht jedes Fenster einer Reihe ist abgelaufen. Je länger das Wirkungsfenster, desto weniger Perioden haben bereits ein Ist. Die übrigen Perioden werden gekennzeichnet, als laufend oder als künftig. Weggelassen werden sie nicht.

Ein Fenster, das noch läuft, ist keine Gegenprobe. Für den Vergleich von Prognose und Ist zählen nur abgelaufene Paare.

Das Beispiel zeigt die Form der Reihe, kein Ergebnis. Für die Fenster drei und vier steht nur eine Prognose da. Wer diese Prognosen liest, sieht daneben, wie die Prognosen der abgelaufenen Fenster zum Ist standen.

Eine Prognose auf dem Bestand ist kein Umsatzziel

Wird eine BUILD-Prognose gegen ein Umsatzziel gehalten, stehen zwei verschiedene Größen nebeneinander. Die BUILD-Prognose rechnet auf dem Bestand am Ende des Aufbau-Abschnitts. Ein Umsatzziel meint den Umsatz einer Periode, auch aus Deals, die erst in dieser Periode entstehen und schließen.

Solange die Prognose nie gegen das Ist gehalten wurde, lässt sich ein Abstand zum Ziel nicht deuten. Der Abstand kann den Stand des Geschäfts beschreiben. Der Abstand kann ebenso eine Eigenschaft der Bewertung sein.

Wie Forecast, Plan und Ist als Reihe geführt werden, beschreibt ein eigener Artikel: Forecast Integrity, der Soll-Ist-Vergleich im Vertrieb. Dieses Whitepaper setzt davor an und führt den Vergleich mit dem Plan nicht aus.

Welche Frage bekommt welche Antwortform?

Die Lage des Fensters bestimmt die Form der Antwort. Ein Fenster, das noch nicht begonnen hat, bekommt eine Spanne aus drei benannten Fällen. Das laufende Quartal bekommt drei Stände. Ein abgelaufenes Fenster bekommt die Prognose neben dem Ist. Eine einzelne Zahl ohne ihre Herkunft ist in keiner der drei Lagen die Antwort.

Frage nachAntwortform
einem Fenster, das noch nicht begonnen hatSpanne aus drei benannten Fällen
dem laufenden Quartaldrei Stände, jeder mit seiner Art
einem abgelaufenen FensterPrognose gegen Ist

Diese Regeln gehören zum optionalen Zusatzmodul Funnel Economics Strategist. Strategist ist darauf ausgelegt, eine Forecast-Antwort an die Führungsebene in der Form zu geben, die zur Lage des Fensters passt. Funnel Economics Core berechnet in Ihrer Salesforce-Org den bEFV und einen vereinfachten rEFV nach dem Health-Status. Den rEFV mit gemessenen Faktoren je Health-Band, die EFV Ratio und den cEFV berechnet Strategist.

Ein Fenster, das noch nicht begonnen hat

Für ein Fenster, das noch nicht begonnen hat, ist die Antwort eine Spanne aus drei benannten Fällen: Worst Case, Realistic Case und Best Case. Die Führungsebene braucht eine Spanne, die sie vertreten kann, keine einzelne Zahl.

Worst und Best sind benannte Geschäftsannahmen, keine statistischen Grenzen. Beide Fälle müssen sich vertreten lassen, ohne über Mathematik zu sprechen.

Die drei Fälle werden nicht nach Größe sortiert. Das Etikett hängt an der Annahme eines Falls, nicht an seiner Höhe. Eine Reihenfolge der drei Beträge ist deshalb nicht garantiert.

Der cEFV, die kalibrierte Umsatzprognose zum Periodenende, ist eine eigene Kennzahl, die Strategist berechnet. Der cEFV ist der Best Case der Prognosespanne, nicht der realistische Fall.

Das laufende Quartal

Das laufende Quartal ist weder eine abgelaufene Strecke noch ein Fenster, das erst beginnt. Für das laufende Quartal gilt die Spanne nicht. Die drei Fälle beschreiben ein ganzes Fenster von seinem ersten Tag an. Mitten im Quartal ist ein Teil des Fensters bereits Tatsache.

Das laufende Quartal bekommt deshalb drei Stände, jeder mit seiner Art:

  • Bisher gewonnen. Dieser Stand ist gemessen.
  • Erwartet. Dieser Stand ist eine Oberkante, kein Punkt.
  • Die Grenze des heutigen Bestands. Dieser Stand rechnet alles heute Offene als gewonnen, ungewichtet.

Die drei Stände und ihre Art stammen aus der Methodik für das laufende Quartal.

Die Grenze des heutigen Bestands ist keine absolute Obergrenze. Deals aus dem folgenden Quartal können vorgezogen werden, und neue Deals entstehen noch.

Zu jeder Zahl aus einem laufenden Fenster gehört ein Vorbehalt. Ein laufendes Fenster hat noch kein Ende. Bis dahin bewegt sich der Bestand weiter.

Ein abgelaufenes Fenster

Für ein abgelaufenes Fenster ist die Antwort der Vergleich: die Prognose neben dem Ist. Das ist die Reihe aus dem vorigen Kapitel.

Zeigt die Reihe eine Abweichung, ist der nächste Schritt nicht, das Prognoseverfahren umzubauen. Der nächste Schritt ist, die Ursache der Abweichung zu zerlegen und eine Maßnahme daneben zu stellen.

Eine Ursache wird gemessen und nicht aus der Richtung der Abweichung gelesen. Ein Etikett aus einem einzelnen Vergleich trägt nicht.

Was heißt das für die Führung?

Für die Führung heißt die Trennung: Jede Forecast-Zahl bekommt ihre Frage, ihr Fenster und ihre Antwortform. Der Nutzen ist, eine Abweichung früher zu bemerken. Der Nutzen ist nicht eine schärfere Zahl. Eine Prognose beschreibt die Vergangenheit und schreibt sie fort. Entscheidend ist, ob jemand rechtzeitig bemerkt, dass sich die Richtung ändert.

Beide Fenster im Blick behalten

Die zwei Fenster verlangen eine Balance. Wer sich nur auf die Abschlüsse der laufenden Periode konzentriert, baut die künftigen Wirkungsfenster nicht auf. Die Folge ist ein Loch in der Pipeline, das erst später sichtbar wird.

Umgekehrt gilt dasselbe. Wer nur aufbaut und die Abschlüsse vernachlässigt, trifft den Umsatz der laufenden Periode. Die Führung tauscht in beiden Fällen ein Fenster gegen das andere.

Für die Vertriebsleitung ist das eine Frage der Steuerung. Die Arbeit für ein künftiges Fenster konkurriert mit dem Abschluss von heute. Ein BUILD-Fenster macht diese Arbeit sichtbar, bevor ihr Ergebnis feststeht.

Vier Schritte vor jeder Forecast-Zahl

Dieses Whitepaper empfiehlt vier Schritte, in dieser Reihenfolge:

  1. Die Frage benennen. Blickt die Frage zurück auf eine abgelaufene Strecke oder nach vorn aus dem heutigen Bestand?
  2. Das Fenster benennen, mit Anfang und Ende.
  3. Die Antwortform wählen: Spanne, drei Stände oder Prognose gegen Ist.
  4. Das Ist nachtragen, sobald ein Fenster abgelaufen ist.

Die Schritte ändern nicht, wie eine Prognose gerechnet wird. Die Schritte ändern, was neben der Zahl steht.

Was im Papier für das Leitungsgremium steht

Im Papier für das Leitungsgremium steht kein Begriff aus der Methodik. Dort steht die Herkunft der Zahl: wogegen sie geprüft wurde. Wer die Zahl vertritt, muss die Rechnung nicht erklären können. Wer die Zahl vertritt, muss wissen, wogegen sie geprüft ist.

Das gilt ebenso für den Bericht an Aufsichtsrat oder Beirat. Die Begriffe BUILD und PERFORM gehören in die Vorbereitung, nicht in den Bericht. Im Bericht steht, ob eine Zahl zurückblickt oder nach vorn blickt und für welches Fenster sie gilt.

Zu jeder Zahl gehören außerdem ihre Reihe und ihre Fallzahl. Die Reihe stellt die abgelaufenen Perioden neben den aktuellen Wert. Die Fallzahl sagt, wie viele Entscheidungen die Zahl tragen.

Zu einer Prognose gehört zusätzlich das Ist der abgelaufenen Fenster daneben. Fehlt eine dieser Angaben, lässt sich die Zahl nicht prüfen.

Funnel Economics startet in die Beta-Phase. In der Beta setzen Sie es zunächst gegen eine Salesforce-Sandbox ein.

Discover ist dafür gedacht, Funnel Economics vor einer Installation auszuprobieren. Es ist für eine Demo-Org gebaut.

Der Nutzen der Trennung ist nicht eine schärfere Zahl. Der Nutzen ist, eine Abweichung früher zu bemerken, weil jede Prognose ihr Fenster und ihr Ist bekommt.

Methodik und Datengrundlage

Dieses Whitepaper beschreibt die Größen der zwei Modellklassen: Definition, Grundformel, Interpretation und Abgrenzung. Die Aussagen zur Methode stammen aus der Methodendokumentation von Funnel Economics. Die Zahlen des Beispiels sind erfunden. Messwerte einer Organisation und externe Marktzahlen enthält dieses Whitepaper nicht.

Die Größen der Methode

GrößeDefinitionGrundformelFenster
bEFVstruktureller Erwartungswert des FunnelsBetrag jeder offenen Opportunity × Win Rate je Stage, summiertStart bei PERFORM, Ende bei BUILD
rEFVrisikogewichtete Erwartung der offenen PipelinebEFV, gewichtet nach der SLA Health mit gemessenen Faktoren je BandStart bei PERFORM, Ende bei BUILD
EFV RatioAbgleich von Ergebnis und ErwartungClosed Won (der in der Periode gewonnene Umsatz) ÷ rEFV zum PeriodenstartPERFORM
EFV DensityQualität der offenen PipelinerEFV am Periodenende ÷ Pipeline-Volumen am PeriodenendeBUILD

Die Definitionen und Grundformeln stammen aus der Methodendokumentation von Funnel Economics. Die EFV Density ist ein Begriff der Methode; kein Werkzeug gibt die EFV Density aus.

Die SLA Health stuft jede offene Opportunity nach ihrem Gesamtalter im Funnel ein. Maßstab sind zwei SLA-Werte, die der Kunde je Stage und Opportunity-Typ festlegt.

Der cEFV ist die kalibrierte Umsatzprognose zum Periodenende. Der cEFV ist eine eigene Kennzahl; er kommt hier nur als Best Case der Prognosespanne vor, nicht als realistischer Fall.

Wie die Kennzahlen gelesen werden

Der rEFV ist eine Erwartung: ein gerechneter Wert, kein Ergebnis.

Für die EFV Ratio und die EFV Density nennt dieses Whitepaper keinen Zielwert. Die EFV Ratio wird als Reihe über mehrere Perioden gelesen. Ein Etikett aus einem einzelnen Wert vergibt dieses Whitepaper nicht.

Die Win Rates je Stage stammen aus abgelaufenen Fenstern und werden auf den heutigen Bestand angewandt.

Abgrenzung

Der Name der Kennzahl BPV (Build-to-Perform Variance) legt eine Brücke zwischen den zwei Modellklassen nahe. BPV misst etwas anderes. Die BPV, die Abweichung der Verweildauer vom SLA je Stage, vergleicht die tatsächliche Verweildauer in einer Stage mit dem SLA dieser Stage.

Der Soll-Ist-Vergleich mit Plan, Forecast und Ist ist Gegenstand des Artikels zu Forecast Integrity. Dieses Whitepaper klärt, welche Frage gestellt ist, in welchem Fenster ihre Antwort steht und welche Form die Antwort hat.

Was das Beispiel zeigt und was nicht

Das Beispiel im Kapitel zur Reihe verwendet erfundene Beträge. Die Beträge zeigen, wie Prognose und Ist nebeneinander stehen und wie laufende und künftige Fenster gekennzeichnet werden. Wie nah eine Prognose am Ist liegt, lässt sich aus dem Beispiel nicht ableiten.

Zwei Fragen, zwei Fenster: PERFORM zeigt, was eine abgelaufene Strecke gebracht hat, BUILD, was der heutige Bestand erwarten lässt. Jede Zahl gehört in ihr Fenster.

Verwandte Begriffe

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Pipeline und Forecast?

Die Pipeline ist der Bestand der offenen Deals mit ihren Beträgen. Ein Forecast ist eine Aussage darüber, welcher Umsatz in einem bestimmten Fenster zu erwarten ist. Die Summe der offenen Deals ist deshalb kein Forecast. Funnel Economics bewertet den Bestand mit den Win Rates je Stage aus abgelaufenen Fenstern und nennt das Ergebnis Erwartungswert. Zu jeder Prognose gehört das Fenster, in dem ihre Antwort steht.

Was bedeuten BUILD und PERFORM?

BUILD und PERFORM sind die zwei Modellklassen, mit denen Funnel Economics Zeitfenster bildet. PERFORM, der Rückblick, fragt, was eine abgelaufene Strecke gebracht hat: der Bestand zum Start und das, was in derselben Strecke geschlossen wurde. BUILD, der Blick auf den Bestand, fragt, was aus dem heutigen Bestand künftig schließt. Die Länge eines Fensters sagt nichts über die Klasse. Entscheidend ist die Blickrichtung der Frage.

Warum darf man eine Pipeline-Prognose nicht direkt mit dem Umsatzziel vergleichen?

Weil beide Zahlen verschiedene Größen messen. Eine Prognose aus der offenen Pipeline rechnet auf dem Bestand, der am Ende des Aufbau-Fensters offen ist. Ein Umsatzziel meint den Umsatz einer Periode, auch aus Deals, die erst in dieser Periode entstehen. Der Vergleich trägt erst, wenn neben der Prognose das Ist der abgelaufenen Fenster steht. Diesen Soll-Ist-Vergleich beschreibt Funnel Economics unter dem Namen Forecast Integrity.

Macht die Trennung von BUILD und PERFORM den Forecast genauer?

Nein, das ist nicht der Anspruch. Die Trennung ändert nicht, wie eine Prognose gerechnet wird. Die Trennung ordnet jeder Prognose das Fenster zu, in dem ihre Antwort steht, und stellt das Ist daneben, sobald das Fenster abgelaufen ist. Der Nutzen ist, eine Abweichung früher zu bemerken. Eine Trefferquote verspricht dieses Vorgehen nicht.

Wie prüft man eine Prognose, wenn das Fenster abgelaufen ist?

Ist das Fenster abgelaufen, ist das Ergebnis bekannt. Das Ist steht dann neben der Prognose, als Betrag und als Verhältnis. Fenster, die noch laufen oder in der Zukunft liegen, bleiben in der Reihe und werden gekennzeichnet. Den vollständigen Soll-Ist-Vergleich mit Plan, Forecast und Ist als Reihe über mehrere Perioden beschreibt der Artikel zu Forecast Integrity.